Juli 2026
Digitalsteuer vs. Zölle
Da ‚einige europäische Länder‘ dabei seien, Digitalsteuern einzuführen, drohen die U.S.A. mit der Erhebung von 100% Zoll auf alle europäischen Waren, trotz des bereits vereinbarten Zollabkommens. Da das Abkommen Wohlverhaltensklauseln enthält, würde es insgesamt ungültig werden.
In Österreich gilt bereits eine Abgabe von 5% auf den digitalen Werbeumsatz. Dieses Modell finden auch andere Europäer grundsätzlich attraktiv. In Deutschland werden entsprechende Pläne kontrovers diskutiert.
Auf welcher rechtlichen Basis diese Zölle stehen, ist unklar. Der oberste Gerichtshof hatte in der Vergangenheit bereits willkürlichen Strafzöllen eine Absage erteilt. Die EU reagierte kühl auf die Ankündigung. Man halte die Drohungen für ungerechtfertigt und würde ‚rasch und entschlossen‘ reagieren, sollten konkrete Schritte der U.S.A. erfolgen. Hinter vorgehaltener Hand ist zu hören, dass die Gefahr einer tatsächlichen Einführung als sehr gering eingeschätzt wird.
Kommt die Streamingabgabe?
Kulturstaatsminister Weimer würde gerne Netflix und Co. mehr in Deutschland investieren lassen, indem er sie zwingt, mindestens 8% ihrer Drehs hier stattfinden zu lassen. Zudem sollen sie nur für drei bis sieben Jahre die Filme und Serien nutzen dürfen, danach sollen die Rechte automatisch an die Produzenten zurückfallen.
Der ehemalige Verfassungsrichter Udo Di Fabio hält das für verfassungswidrig, da unverhältnismäßig in die Geschäfte der Anbieter eingegriffen würde. Darüber hinaus fehle dem Bund die Kompetenz für solche Schritte, da das Filmwesen Ländersache sei. Nicht zuletzt verletze der Vorstoß auch Europarecht. Di Fabio zweifelt auch daran, dass die gewünschte Wirkung erreicht werde.
Sollten die Gesetzgeber die Kritik auch nur halbwegs ernst nehmen, müsste das Vorhaben noch einmal von vorne aufgerollt werden.
Neues von den Domains
.id
Die indonesische Registry PANDI erweitert ihr Domain-Angebot um die neue Third-Level-Domain .ai.id und reagiert damit auf die anhaltend hohe Nachfrage im Bereich Künstliche Intelligenz.
Die Einführung erfolgt in mehreren Phasen: Aktuell läuft zunächst eine Sunrise-Periode für Markeninhaber, die bis zum 02.07.2026 andauert. Ab dem 13.07.2026 erhalten Inhaber bestehender .id-Domains im Rahmen einer Grandfathering-Phase die Möglichkeit, die passende .ai.id-Domain zu registrieren. Anschließend folgt ab dem 24.08.2026 eine einmonatige Landrush-Phase mit Premium-Preisen. Die allgemeine Registrierung (General Availability) startet schließlich am 05.10. 2026
Unter .id gibt es bereits verschiedene Third-Level-Domains, darunter die besonders beliebte .co.id sowie weitere Endungen wie .go.id, .my.id und .web.id. Mit .ai.id ergänzt die Registry ihr Portfolio um eine attraktive Option für Unternehmen und Projekte mit Bezug zu Künstlicher Intelligenz.
.il
Die israelische Registry ISOC-IL passt die WHOIS-Richtlinien für .il-Domains an und reagiert damit auf internationale Datenschutzentwicklungen wie die DSGVO. Die Änderungen treten am 01.09.2026 in Kraft. Künftig werden bestimmte personenbezogene Daten aus dem öffentlich einsehbaren Whois entfernt. Dazu gehören die physische Adresse des Domain-Inhabers, Telefonnummern sowie die Identität der administrativen, technischen und Zonen-Kontaktpersonen.
Weiterhin öffentlich verfügbar bleiben hingegen der Name und die E-Mail-Adresse des Domain-Inhabers sowie die E-Mail-Adressen der Kontaktpersonen.
Ziel der Anpassung ist es, einen besseren Ausgleich zwischen Transparenz im Internet und dem Schutz der Privatsphäre zu schaffen. Die Entscheidung wurde nach internen Beratungen des ISOC-IL-Vorstands.
.uk
Nominet modernisiert ihr Streitschlichtungsverfahren Dispute Resolution Service (DRS). Ab dem 7. Juli 2026 werden die administrativen Abläufe und technischen Backend-Prozesse an das Schieds- und Mediationszentrum der World Intellectual Property Organization (WIPO) übergeben. Für Antragsteller bedeutet dies vor allem, dass neue DRS-Beschwerden künftig über die WIPO eingereicht und verwaltet werden. Am eigentlichen Verfahren ändert sich jedoch nichts, auch das bestehende Gebührenmodell bleibt unverändert bestehen. Bereits vor dem 07.07.2026 eingereichte Verfahren werden weiterhin direkt von Nominet bearbeitet. Auch das öffentliche Archiv mit bisherigen DRS-Entscheidungen bleibt online und zugänglich.
Hintergrund der Umstellung ist das laufende Standardisierungsprogramm von Nominet, in dessen Rahmen mehrere interne Systeme zum nächsten Jahr außer Betrieb genommen werden. Mit der WIPO setzt Nominet auf einen weltweit erfahrenen Partner im Bereich der Domain-Streitbeilegung.
.pay
Die von Amazon Registry Services verwaltete neue Domain-Endung .pay stößt bereits in der Sunrise-Phase auf außergewöhnlich großes Interesse. Aufgrund der hohen Nachfrage wurde die ursprünglich auf 30 Tage angesetzte Sunrise-Phase bis zum 20.07.2026 verlängert.
Branchenbeobachter sehen zwei wesentliche Gründe für das starke Interesse von Markeninhabern. Zum einen vermittelt eine Adresse im Format „marke.pay“ besonderes Vertrauen im Zusammenhang mit Zahlungen und Finanztransaktionen, wodurch solche Domains potenziell attraktive Ziele für Phishing und andere Missbrauchsformen sein könnten. Zum anderen ist .pay derzeit nicht in gängigen Domain-Blockierungsdiensten enthalten, sodass die Teilnahme an der Sunrise-Phase oft die wirksamste Möglichkeit zum Markenschutz darstellt.
Für Unternehmen und Markeninhaber kann daher eine defensive Registrierung sinnvoll sein, um ihre Markenrechte frühzeitig zu sichern. Die Registrierung für alle Interessenten startet im Februar 2027.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Global Village Team



