November 2026
Das Internet hängt an der Gunst der U.S.A.
Europa muss sich in vielerlei Hinsicht fragen, ob es sich die immer mehr zunehmende Abhängigkeit von der Gunst der Vereinigten Staaten weiter leisten kann.
Im Kleinen werden missliebige Personen bereits heute drangsaliert. Das bekam etwa Nicolas Guillou, einer von sechs Richtern des Internationalen Strafgerichtshofs zu sprüren. U.S. Außenminister Rubio bezeichnete den IStGH als ‚Schurkengericht‘ und sorgte dafür, dass Guillou sämtliche Kreditkarten verlor und seine Konten bei Dienstleistern wie Amazon, Ebay und Co. gesperrt wurden. Seither sind Onlineangebote für Guillou kaum noch nutzbar, zumindest wenn an irgendeiner Stelle gezahlt werden muss. Selbst einige europäische Banken lehnen aus Sorge vor dem Zorn der Amerikaner Geschäfte mit dem Richter ab.
Das ist nur ein Vorgeschmack. Viele hiesige Banken haben ihre Rechenzentren zugunsten der AWS-Cloud aufgegeben, die sich zum Goldstandard der Branche entwickelt hat – zumindest solange das noch politisch geduldet wird. Nun darf man natürlich spekulieren, dass die einfachere Überwachung der europäischen Zahlungsströme einen höheren Wert bietet als den Stecker zu ziehen. Beruhigend ist aber keine der beiden Varianten. In Skandinavien macht man sich zumindest für diesen Bereich Gedanken. Da das Bargeld im Norden fast vollständig verschwunden ist, gibt es dort im Aufbau befindliche Projekte, die eine grundsätzliche Absicherung der Bevölkerung im Krisenfall sicherstellen wollen.
Mit dem Wachstum von KI verschärft sich das Problem weiter. Die Milliardenbeträge für den Aufbau der KI-Infrastruktur werden fast ausschließlich jenseits des Atlantiks bereitgestellt. Hierzulande zieht sich der Bund aus der Kooperation mit dem einzigen bedeutenden europäischen KI-Anbieter Mistral zurück.
Im Großen bekommt die Ukraine die Abhängigkeit zu spüren. Das Militär hängt in hohem Maße vom Zugang zum Starlink-Internet ab. Bereits Einschränkungen der Maximalgeschwindigkeit, die die ukrainischen Drohnen unterwegs haben dürfen, bedeuten erhebliche Probleme für die Verteidigungsfähigkeit und den Verlust von Menschenleben. Beim letzten derartigen Vorfall wollte zudem weder Elon Musk als Besitzer von Starlink noch Donald Trump die Verantwortung übernehmen.
Dabei ist eine Unabhängigkeit in vielen Bereichen möglich, sie ist oft noch nicht einmal teurer als U.S. Angebote. Man muss aber wollen.
Neues von den Domains
.au
Für die australischen Domainendungen sind strengere Registrierungsregeln geplant. Künftig sollen Domains grundsätzlich zum eigenen Namen, Firmennamen oder einer eingetragenen Marke passen.
Die Registry auDA hat den Empfehlungen eines Beratungsgremiums grundsätzlich zugestimmt und wird einen Umsetzungsplan erarbeiten, der vor der Einführung öffentlich konsultiert werden soll. Die Änderungen treten somit noch nicht unmittelbar in Kraft. Ziel ist es, missbräuchliche Registrierungen und minderwertige Werbeseiten einzudämmen. Kritiker befürchten Nachteile für legitime Interessenten, etwa gemeinnützige Organisationen.
.qa
Die Qatar Domains Registry (QDR) führt eine neue technische Plattform und strengere Registrierungsrichtlinien für .qa-Domains und die dazugehörigen Endungen ein. Betroffen sind unter anderem Registrierung, Transfer, Verlängerung und Verwaltung. Künftig müssen Antragsteller bestimmte Zulassungskriterien erfüllen und gegebenenfalls Nachweise wie eine katarische ID, einen Wohnsitznachweis, eine Gewerbeanmeldung oder eine Markenregistrierung vorlegen. Die Anforderungen unterscheiden sich je nach Domainendung und Antragstellergruppe.
Registrare, Reseller und Domaininhaber sollten ihre bestehenden Domains und Zulassungsnachweise zwingend rechtzeitig prüfen, um mögliche Einschränkungen bei der Verwaltung oder Verlängerung zu vermeiden.
.us
Die US-Behörde NTIA hat Identity Digital am 30. September 2026 mit der Verwaltung der Domainendung .us beauftragt. Damit löst das Unternehmen GoDaddy Registry ab. Der Übergang soll innerhalb von neun Monaten erfolgen. Künftig gelten strengere Vorgaben zur Bekämpfung von DNS-Missbrauch und zur Überprüfung der Registrierungsdaten. Da .us-Domains nur für Personen mit entsprechendem US-Bezug und rechtmäßig in den USA registrierte Unternehmen vorgesehen sind, müssen Domaininhaber die Einhaltung dieser Voraussetzungen sicherstellen.
Auch die akkreditierten Registrare müssen sich erneut zertifizieren lassen. Dabei werden unter anderem die Einhaltung der Zulassungsregeln, Sicherheitsstandards und personelle Ressourcen geprüft. Bei Verstößen kann die Akkreditierung entzogen werden.
Der Wechsel bringt mehr Kontrollen und strengere Anforderungen mit sich. Domaininhaber und Registrare sollten daher ihre bestehenden Prozesse und Angaben rechtzeitig überprüfen, um mögliche Probleme zu vermeiden. Ende September waren rund 1,8 Millionen .us-Domains registriert – etwa 500.000 weniger als zwölf Monate zuvor. Die neue Vereinbarung enthält keine konkreten Angaben zu den künftigen Registrierungsgebühren.
.name
Verisign plant, rund 22.000 bestehende .name-Domains zu löschen, um die Domainendung technisch an die übliche zweistufige Struktur anzupassen. ICANN hat dem Vorhaben bereits zugestimmt. Betroffen sind vor allem langjährige Inhaber von Adressen nach dem Muster vorname.nachname.name. Viele Betroffene befürchten erhebliche Folgen, insbesondere wenn die bisherigen E-Mail-Adressen anschließend von Dritten übernommen und für Identitätsmissbrauch genutzt werden könnten. Mehrere Domaininhaber haben deshalb bei ICANN eine erneute Prüfung der Entscheidung beantragt; einzelne erwägen auch rechtliche Schritte.
Die Betroffenen fordern, die Löschung rückgängig zu machen oder bestehende Registrierungen zumindest dauerhaft zu schützen. Eine abschließende Entscheidung des ICANN-Vorstands steht noch aus.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Global Village Team



