...und die Welt wird zur Nachbarschaft.

Januar 2021

Billige Meinungsmache

Es ist immer noch viel zu billig, andere durch gefälschte Beiträge in sozialen Medien zu beeinflussen. Eine von der NATO veröffentliche Studie hat sich mit diesem Thema auseinandergesetzt und bestätigt schlimme Vermutungen. Für die Instagram-Konten zweier US-Senatoren, die sich als Studienobjekte zur Verfügung gestellt hatten, kaufte die NATO 100 gefälschte Kommentare und 1.800 Likes ein. Dadurch wurden die entsprechenden Beiträge für andere Nutzer sichtbarer. Kostenpunkt der bei einschlägigen Dienstleistern eingekauften Aktion: 7 US-Dollar. Schlimmer noch: Die Gegenmaßnahmen der Facebook-Tochter waren weitgehend wirkungslos. Über 80 Prozent der Falschkommentare waren auch nach einem Monat noch sichtbar.

Andere Plattformen waren auch nicht besser. Die mit gut 300 US-Dollar eingekauften 1.100 Kommentare, 10.000 Likes und 3.500 Shares auf Facebook, Twitter, YouTube und TikTok wurden genauso schlecht als falsch erkannt.
Jede Plattform hat dabei ihre Eigenheiten. Facebook erkennt vergleichsweise zuverlässig gefälschte Besucher, Twitter löscht relativ zuverlässig unechte Nutzer. TikTok muss man aber als Totalausfall bezeichnen. Das Videonetzwerk scheint überhaupt keine Maßnahmen zu ergreifen. Insgesamt enttäuschend war das aktive Melden von gefälschten Konten an Plattform­betreiber. Lediglich eine einstellige Prozentzahl der Manipula­toren wurde tatsächlich gesperrt.
Die Studie ist Wasser auf die Mühlen der EU, die den sozialen Medien vorwirft, den vereinbarten Verhaltenskodex nicht ein­zuhalten. Es ist zu erwarten, dass die EU die Zügel anzieht. Es dürften aber noch so einige Wahlen unterwandert werden, bis irgendwann neue Maßnahmen Wirkung zeigen.


Mehr Datenschutz beim Texten


Threema, die datenschutzfreundliche Alternative zu Whatsapp und Co, hat eine weitere Maßnahme zur Vertrauensbildung umgesetzt. Die Macher haben sich entschlossen, den Quelltext der App zu veröffentlichen. Dadurch kann jeder mit der ent­sprechenden Fachkenntnis selbst prüfen, ob das Programm all seine Versprechungen mit der notwendigen Sorgfalt imple­mentiert. Anders als viele andere Open-Source-Softwares wird Threema dadurch nicht kostenlos und kann es auch nicht sein. Die hinter einem Messenger stehende Infrastruktur verursacht laufende Kosten, welche Threema durch den Verkauf der App und zusätzliche Profiaccounts verdient. Wäre dem nicht so, bliebe dem Unternehmen zur Gegenfinanzierung nur der Verkauf von Nutzerdaten, was dem Grundgedanken wider­spräche.

Wenn Sie mit Familie, Freunden oder Geschäftspartnern kom­munizieren möchten, ohne dass US-Konzerne das mitbekom­men, empfehlen wir den Einsatz der App. Sie erhalten sie für einen kleinen Einmalbetrag – und etwas Überzeugungsarbeit bei Ihren Kommunikationspartnern es Ihnen gleichzutun.


Browser gegen Kasachst
an

Die kasachische Regierung hat zum mittlerweile dritten Mal versucht, ihre Bürger zur Installation eines Browserzertifikats zu bewegen, das der Regierung das Mitlesen sämtlichen Webtraffics ermöglicht hätte (wir berichteten).
Eine Koalition aller bekannten Browserhersteller schlägt nun zurück, blockiert von sich aus die Regierungszertifikate und macht so die Pläne Kasachstans zunichte.

Für die Bürger des Landes ist das Hin und Her eine Belastung, da es bei der Erreichbarkeit von Webseiten immer wieder zu Störungen kommt. Letztlich zeigt sich, dass restriktiv denkende Regierungen immer mehr Schwierigkeiten haben, ein auf freiheitlichen Werten basierendes Internet so einzuschränken, dass es den eigenen Interessen nutzt.


Neues von den Domains


.au

Nach den neuen Richtlinien für .au Domains ist es nicht mehr erlaubt, .au-Namen weiter zu lizensieren. Dadurch soll sichergestellt werden, dass die im Whois angezeigten Daten immer dem Domaininhaber entsprechen.

.dk

Es ist jetzt möglich, .dk-Domainnamen zu registrieren, die das deutsche ß enthalten, zum Beispiel spaß.dk.

Donuts

Auch nach dem Kauf von Afilias ist Donuts weiter auf Einkaufstour. Jetzt verleibt sich Donuts die beiden TLDs .realty und .observer ein. .realty dürfte den Besitzern besonders am Herzen liegen, da man bereits 2014 die TLD bei einer Auktion erwerben wollte, aber gegen das Höchstgebot von 5,5 Millionen US-Dollar unterlag. Der aktuelle Kaufpreis ist nicht bekannt.

.nu

Die Regierung der Niue-Insel, der der Ländercode nu gehört, nutzt die Domainendung nicht selbst. Stattdessen wird sie derzeit von der schwedischen Registry IIS verwaltet. Nu bedeutet im schwedischen ‚hier‘ oder ‚jetzt‘ und ist als werbende Endung recht beliebt. Jetzt will Niue die Kontrolle über die Endung zurück und hat sich mit diesem Wunsch an ICANN gewandt. Gleichzeitig will Niue Schweden verklagen und verbindet das mit Schadenersatzforderungen von mehreren 10 Millionen Euro.
Der Wunsch, die eigene Länderendung selbst zu verwalten, ist verständlich. Die monetären Forderungen wirken aber gewagt, hatte die Inselregierung die Rechte an der TLD einst freiwillig und entgeltlich außer Landes gegeben.


Switch

Zum Jahreswechsel hat die Registry für .ch und .li den Whois umgestellt und veröffentlicht nicht mehr die Daten des Domainbesitzers oder technischen Kontaktes.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Global Village Team



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