...und die Welt wird zur Nachbarschaft.

Dezember 2022

Ermittlungen gegen Twitter

D
ass bei Twitter der Wurm drinsteckt, dürfte selbst Nicht-Nutzern der Plattform nicht verborgen geblieben bleiben. Seit der Übernahme durch Elon Musk wurde das Unternehmen auf den Kopf gestellt, nicht nur durch den Austausch der kompletten Führungsriege, sondern auch durch die Entlassung der Mehrheit der Mitarbeiter. Das Ganze erfolgte in einer Art und Weise, die mit Anstand nicht mehr viel zu tun hat. Weiterer Aufreger: Nutzer, die vom alten Management wegen Verstößen gegen die Richtlinien gesperrt wurden, sollen wieder Zugang erhalten. Möglicher Nutznießer ist Donald Trump, der aber (noch) bei seinem eigenen Netzwerk Truth Social bleiben möchte. Musk begründet das mit der Redefreiheit. Immerhin ist er so konsequent auch den Twitter-Nutzer nicht zu sperren, der Musks Flüge minutiös und in Echtzeit nachverfolgt und der Musk laut eigener Aussage ein Dorn im Auge ist.
M
ittlerweile ermittelt die amerikanische Handels­kommission FTC gegen Twitter nachdem 7 U.S. Senatoren die Überprüfung des Verbraucherschutzes und der Sicherheitsrisiken angemahnt hatten. Strafrecht­liche Maßnahmen gegen Musk sind dabei nicht ausgeschlossen.
N
un droht Musk auch in der EU Ärger. Grund ist, dass die Niederlassung in Irland laut Gesetz in der Lage sein muss, Einfluss auf die Unternehmenszentrale auszu­üben. Da aber sämtliche irische Führungskräfte in­klusive des Datenschutzbeauftragten gekündigt haben oder wurden, bestehen erhebliche Zweifel an dieser Voraussetzung. Im Extremfall könnten alle EU-Staaten Twitter Regulierungen auferlegen.

DSGVO-Strafe gegen Meta


Wieder einmal soll der Facebook-Mutterkonzern eine empfindliche Strafe für Verstöße gegen den Daten­schutz zahlen. Im Raum stehen 265 Millionen, Grund ist der unzureichende Schutz von Mailadressen und Telefonummern seiner Nutzer. Dritte konnten über die von Meta angebotenen Schnittstellen massenhaft Daten auslesen. Was auch genutzt wurde. In Untergrundforen wurden Daten von einer halben Milliarde Menschen zum Kauf angeboten. Die Daten gelten als authen­tisch, auch wenn es keine Bestätigung Metas gab und der Konzern auch die Betroffenen nicht informierte - wie es eigentlich Vorschrift ist. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Insgesamt hat die EU durch die irische Datenschutz­behörde bereits nahezu 1 Milliarde Euro Bußgelder gegen Meta verhängt. Damit belegt Meta die Plätze 2 bis 4 der höchsten Strafgelder (Platz 1 belegt Amazon mit einer Summe von 750 Millionen Euro). Dabei ist zu beobachten, dass Meta sich im Anschluss immer um genau die beklagten Mängel kümmert, aber keinen Schritt darüber hinausgeht. Die nächste Strafe scheint damit vorpro­grammiert.
Vom Ruin ist Meta damit noch nicht bedroht. Allerdings trifft das Urteil das Unternehmen in einer Zeit, in der sich Gründer Mark Zuckerberg starkem Druck ausgesetzt sieht. Das von ihm als Zukunft des Konzerns ausgelobte Meta­versum kann immer noch keine nennenswerte Bedeutung vorweisen und hatte zuletzt sogar mit sinkenden Nutzerzahlen zu kämpfen. Insgesamt wird sich Meta fragen müssen, an wievielen Fronten es gleichzeitig kämpfen möchte.

Neues von den Domains


Afnic

Frankreich gilt generell als zentralistisch aufgestellt. Die Registry geht aber den umgekehrten Weg. Das neue Registrierungssystem Afnics beendet das bisherige Konzept alle TLDs über eine Plattform zu verwalten.
Stattdessen wurde die neue Technik 20 Mal für 20 ver­schiedene TLDs dupliziert. Spürbare Folge: Ein Kontakthandle ist nicht mehr universal nutzbar. Wer eine .fr und eine .tf Domain haben möchte, benötigt dafür zwei Handle.

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nz

Neuseel
and nutzt jetzt, wie bereits Irland, kanadische Technik für .nz. Eine Folge: Domains können jetzt auch ohne Nameserver registriert werden. Falls Nameserver verwendet werden, müssen es wie üblich mindestens zwei sein.

Pir

Die Registry Pir blickt auf ihr 20jähriges Jubiläum der Verwaltung von .org. Als gemeinnützige Organisation ist Pir nicht von dem vorherrschenden Gewinnstreben vieler anderer Registries getrieben. Ein Beispiel dafür ist das von Pir finanzierte ‚DNS Abuse Institute‘, das den Missbrauch von Internetdomains bekämpft. Auch bei seinen anderen TLDs hat Pir ein Auge auf das Gemeinwohl, etwa bei der TLD für nicht-Regierungs­organisationen .ngo.
Überschattet wird das Jubiläum von Pirs missglücktem Versuch, sich selbst für einen dreistelligen Millionen­betrag an ein profitorientiertes Investoren­konsortium zu verkaufen. Dies wurde nach hitzigen Debatten vom Regulierer ICANN verhindert.

.social

Während bei Twitter die Negativschlagzeilen nicht abreißen gibt es einen lachenden Dritten, die TLD .social. Grund ist die Twitter-Alternative Mastodon, bei der Domainregistrierungen wichtig sind. Viele Mastodoner haben sich dafür .social ausgesucht.

.tv

Der Umzug von .tv von Verisign zu GoDaddy ist abgeschlossen. Verisign hatte sich an der neuen Ausschreibung der Regierung von Tuvalu überraschen­derweise nicht beteiligt.
Durch den Wechsel ergibt sich eine datenschutz­technische Änderung. Verisign hatte mit einem ‚Thin‘ Registrierungsmodell gearbeitet, bei dem die Domain-Kontaktdaten bei Registraren wie Global Village verbleiben. GoDaddy nutzt das übliche ‚Thick‘ Modell, das eine Datenübermittlung in die U.S.A. erfordert.
Politisch hat die Regierung Tuvalus große Pläne. Angesichts der für die Inselgruppe existenziellen Bedrohung durch den Klimawandel sei man gezwungen zur ersten ‚digitalen Nation‘ zu werden und das eigene kulturelle Erbe in das Metaversum zu kopieren. Ein Baustein dafür seien .tv Domains.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Global Village Team

 

 

 

 

 

 



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