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März 2021

Zuckerbergs Unterstützung für Hassredner

Anfang 2019 wollten Facebook-Mitarbeiter noch mehrere Nutzer wegen Verbreitung menschen­gefährdender Lügen und Hassrede mit Verweis auf die hauseigenen Richtlinien von seiner Plattform ver­bannen, inklusive der rechtsradikalen Galionsfigur Alex Jones. Firmenchef Mark Zuckerberg schritt in diesem Fall persönlich gegen den Rat seines hauseigenen Prüfungsteams ein. Zwar wurde Jones gesperrt, aber sämtliche seiner Beiträge und deren Kommentierungen blieben unangetastet. Das hatte den Effekt, dass seine Anhänger Jones Inhalte ungestört weiterverbreiten konnten.
Wie die amerikanische Webseite BuzzFeed berichtet, haben 14 aktuelle und ehemalige Angestellte übereinstimmend erklärt, dass Zuckerberg mit der Auslegung der Richtlinien unzufrieden war und von seinem Team eine Anpassung der Interpretation forderte. Der Vorgang wurde vom Zuckerberg-Vertrauten Joel Kaplan geleitet. Kaplan hat zuvor für zwei Konservative des Supreme Court und Ex-Präsident George W. Bush gearbeitet. Er war zudem Teilnehmer an den Ausschreitungen in Florida 2000, die letztlich zu einem Ende der Stimmauszählungen und dem Sieg Bushs führten.

Die Auswirkungen innerhalb der Abteilung waren verheerend. Die in unzähligen Teambesprechungen erarbeiteten internen Richtlinien waren zu großen Teilen nicht mehr nutzbar. Es musste eine neue Kategorie akzeptablen Verhaltens erfunden werden, um den Firmenchef zu besänftigen.
Seit dieser Umstellung sei die Arbeit der Kontrolleure gelähmt. Das habe eine wesentliche Rolle dabei gespielt, dass radikale Verschwörungstheoretiker wie die ‚Oath Keepers‘, die eine wesentliche Rolle beim Marsch auf das Kapitol gespielt haben, ihre Ideen einem breiten Publikum vorstellen konnten.

Kaplan selbst hat den Auftrag seines Arbeitgebers erfüllt. Seine Einstellung im Jahr 2011 sollte dazu dienen, den Kontakt zu republikanischen Kräften zu verbessern.


Flickenteppich Netzneutralität


Netzneutralität soll dazu dienen, dass der Transport von Daten diskriminierungsfrei erfolgt, etwa dass ein Video von Netflix genauso schnell ist wie eines von Disney+. Die vorige US-Regierung hatte nach Besetzung des Chefpostens des Regulierers FCC mit einer umstrittenen Persönlichkeit die Netzneutralität abgeschafft. Dies gelang ihr mithilfe eines juristischen Manövers, bei dem sie sich gleichzeitig für jeweils gewisse Aspekte der Neutralität zuständig und unzuständig erklärte.
Einige Bundesstaaten wie Kalifornien brachten daraufhin eigene Gesetze in Stellung, die die Bundesgesetze aushebeln sollten. Nach einem gerichtlichen Tauziehen hat sich Kalifornien nun gegen den Bund durchgesetzt. Ein Bundesrichter erklärte es für unzulässig, dass die FCC gleichzeitig nicht zuständig sei, dem Staat aber Vorschriften machen wolle. Der Initiative Kaliforniens werden wohl weitere Staaten folgen, sodass die amerikanischen Verbraucher je nach Wohnort möglicherweise mit Einschränkungen leben müssen.
Bei der Bevölkerung spricht sich eine breite Mehrheit auf beiden Seiten des politischen Spektrums für Netzneutralität aus.

Neues von den Domains


.au

Bei .com.au und .net.au müssen nicht-Australier zukünftig sicherstellen, dass der Wunschname dem Firmennamen oder einer Marke entspricht.

.com

Verisign erhöht die Preise für .com-Domains um die von ICANN maximal erlaubten 7%. Auch in den nächsten zwei Jahren darf Verisign jeweils 7% mehr verlangen.

.coop

Die Registry prüft Registrierungswünsche zukünftig nicht mehr im Vorfeld. Kooperative können in Zukunft selbst bestätigen, dass sie die Richtlinien erfüllen. Allerdings schreitet die Registry ein, sofern ihr ein Missbrauch gemeldet wird.

Donuts

Nachdem Donuts erst im letzten November Afilias geschluckt hatte, wird das Unternehmen selbst aufgekauft. Neuer Mehrheitseigner ist Ethos Capital. Dieser hatte lange versucht den wichtigsten Afilias-Kunden PIR (.org) zu übernehmen, was ICANN unerwartet verboten hatte. Das Kapital hat Ethos offenbar genutzt, um auf andere Weise einen Fuß in die Tür von PIR zu setzen.
Mittelfristig wird Ethos die verschiedenen technischen Plattformen aller Unternehmen zusammenführen. Dies wird auch Auswirkungen auf den Datenschutz haben, da Afilias ursprünglich ein irisches Unternehmen war und der DSGVO unterlag.

.fr

Afnic hat überraschend verkündet, dass bis auf wenige Ausnahmen britische Staats­bürger oder Unternehmen keine .fr-Domains mehr registrieren dürfen. Anders als bei .eu haben existierende Domains Bestandsschutz.

.uk

Derzeit tobt ein Kampf um die Kontrolle über die britische Registry Nominet. Ein nicht unerheblicher Teil der Mitglieder Nominets ist mit der Politik der Führung unzufrieden. Unter anderem gibt es Kritik an der Bezahlung des Vorstands, die mittlerweile 2 Millionen Pfund übersteigt, während Nominets soziales Engagement um 5 Millionen Pfund gekürzt wurde. Der Vorstand warnt derweil vor einem Führungschaos und sagte zu, die Vergütung in den nächsten Jahren stabil halten sowie weitere 2 Millionen für die Allgemeinheit einsetzen zu wollen.
Nach unserer Einschätzung wird sich die General­versammlung im März für den Verbleib des Vorstandes aussprechen.

Uniregistry

Die aufgrund ihrer Preispolitik kritisch beäugte Uniregistry versteigert im März alle ihre 23 TLDs, darunter .click, .link und .photo. Das Portfolio dürfte sich zukünftig auf diverse andere Registries verteilen.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr Global Village Team

 

 



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