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Oktober 2021

Vergabekrise belastet das afrikanische Internet

Das für Afrika zuständige Afrinic vergibt als sogenannte Regional Internet Registry / RIR IP-Adressen für den gesamten Kontinent. Ein Empfänger der Adressen ist der in Afrika tätige chinesische Rechenzentrumsbetrei­ber Cloud Inno­vation. Von diesem forderte Afrinic 6 Millionen IPv4-Adressen, derzeitiger Marktwert etwa 250 Millionen US-Dollar, zurück, da Cloud Innovation gegen Vergabericht­linien verstoßen habe. Der Streit zwischen den Parteien endete in einem Gerichts­verfahren, das Cloud Innovation verlor. Afrinic zog daraufhin die IP-Adressen ein. Damit hatte man aber gegen eigene Richtlinien verstoßen, da es erst ein internes Schiedsverfahren hätte geben müssen. Einen zweiten höchstrichterlichen Prozess gewann Cloud Innovation. Das Gericht ordnete zudem das Einfrieren der Konten an, was Afrinic nahezu hand­lungsunfähig machte.
Für RIRs gibt es keine Notfallorganisation, die den Betrieb provisorisch aufrechterhält. Das wurde bisher auch nicht diskutiert, da RIRs als finanziell abgesichert gelten und niemand damit rechnete, dass ein einzelner Disput solche Auswirkungen haben könnte. Immerhin gibt es jetzt erste Überlegungen, wie RIRs insgesamt robuster aufgestellt werden könnten. In Afrika allerdings müssen sämtliche Erweiterungs­projekte, die IPv4-Adressen erfordern, bis auf weiteres eingefroren wer­den. Eine Alternative wären IPv6-Adressen, bei denen es keinen Mangel gibt. Leider möchten sich viele Adminis­tratoren auch 20 Jahre nach deren Einführung nicht mit diesem Thema beschäftigen.

Keine Ganovenehre

Wer dem romantisierten Mythos, dass Ganoven sich nicht gegenseitig über den Tisch ziehen, Glauben schenkt, sollte besser umdenken. Die ‚Crime As a Service‘ Gruppe REvil bietet seit längerem seinen ‚Part­nern‘ eine Infrastruktur an, die Software für Einbrüche bietet, Verschlüsselung von fremden Systemen vor­nimmt und Lösegeldzahlungen verwaltet. Dafür verlangt REvil die von App-Stores bekannte Provision von 30%.
Das hat REvil aber wohl nicht gereicht. In Untergrund­foren beschwerten sich mehrere ‚Partner‘ der Gruppe darüber, gar keine Zahlungen für die ‚harte Arbeit‘ der Durchführung der Einbrüche erhalten zu haben oder auf andere Weise betrogen worden zu sein.
Als Konsequenz wurde ein Untergrund-Gericht einberufen, das die Taten von REvil bewerten und dem Willen der Initiatoren nach an den Pranger stellen soll. Zwar hat dieses keine rechtliche Handhabe, aber auch im Untergrund ist der gute Ruf geschäftsentscheidend.

Neues von den Domains

.af

Die fundamentalen Umwälzungen in Afgha­nistan sind für die technischen Registrybetreiber Packet Clearing House (USA) und Gransy (Tschechien) kein Anlass zu Veränderungen. Man sei 100% unpolitisch. Regulator ICANN verweist bezüglich der Zukunft der .af-TLD auf die Entscheidungshoheit der afgha­nischen Regierung.

.basketball und .rugby

Die beiden Sport-TLDs sind in die ‚Für Alle‘-Phase eingetreten und können von allen Interessierten bei uns bestellt werden.

.dk

Die .dk-Registry stellt weitgehend auf das bewährte Registry-Registrar Modell um, das es Domainbesitzern erlaubt, alle Domains aller TLDs gesammelt über den Registrar des Vertrauens zu verwalten. Bisher gab .dk der direkten Verwaltung den Vorzug. Domainbesitzer, für die .dk eher eine Nebenbedeutung hatte, mussten sich so mit einer zusätzlichen Schnittstelle auseinandersetzen und sich mit deren Umgang vertraut machen.
Ein wenig Selbstverwaltung ist im Bereich des Nameservice geblieben. Sollte ein Wechsel von Nameservern gewünscht sein bedarf es eines Autorisierungscodes, der über das .dk-Portal erhältlich ist.
Wir werden in den nächsten Wochen an alle .dk-Besitzer bezüglich der Umstellung herantreten.

.eu

Die Einwohner von Island, Liechtenstein und Norwegen sind ab sofort berechtigt .eu-Domains zu registrieren. Andererseits werden alle Domains britischer Inhaber, die die Registrierungsberechtigung verloren haben, am 1.1.22 für die Allgemeinheit freigegeben.

.fr

Die DGCCRF, die in etwa dem deutschen Ministerium für Verbraucherschutz entspricht, wird durch ein neues Gesetz stärker. Unter Anderem erhält sie erweiterte Durch­griffsrechte. Durch diese kann sie die franzö­sische Registry Afnic anweisen, .fr Domains zu sperren oder zu löschen, wenn diese missbräuchlich genutzt werden. Afnic hat bestätigt, einen direkten Kanal zur DGCCRF eingerichtet zu haben.

.lt

Die litauische Registry warnt vor einer Flut von betrügerischen Mails an .lt-Besitzer. Seien Sie wie immer vorsichtig bei Nachrichten aus unbekannter Quelle.

.web

Die von Verisign für 135 Millionen US-Dollar ersteigerte neue Domainendung befindet sich in einem rechtlichen Gezerre. Der unterlegene Bieter Afilias, jetzt Donuts, zweifelt das Vergabeverfahren an. Afilias begründet dies damit, dass Verisign sich im Bieterverfahren hinter der Neugründung Nu Dot Co verborgen hat, anstatt offen aufzutreten.
Der Starttermin von .web lässt seit über sieben Jahren auf sich warten.

.zuerich

Die Städte-TLD startet recht spät, ist aber jetzt erhältlich. Vorbestellungen nehmen wir ab sofort entgegen. Mar­kenrechtsinhaber mit TMCH-Zertifikat erhalten die Domain sogar umgehend. Die Domainbesitzer müssen im Kanton Zürich angesiedelt sein.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Global Village Team



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