...und die Welt wird zur Nachbarschaft.

Juli 2017

Schlechte Noten beim Audit

Die oberste Domainbehörde ICANN überprüft seit 2015 regelmäßig, ob die Domainregistrare die ihnen auferlegten Richtlinien einhalten. Die letzte Prüfrunde, zu der 55 Registrare ausgesucht wurden, brachte ein erstaunlich schlechtes Ergebnis. Nicht ein einziger Registrar blieb ohne Beanstandungen, darunter bekannte Größen wie 1&1, Google, Tucows und Registrar.com. Bei über 80% der Registrare gab es zudem mehr als drei Regelverstöße.
Nun sollte man dieses Ergebnis nicht überbewerten, da auch unterschiedliche Auffassungen zur Rechtslage zu einer Beanstandung führen kann. Die Rechtslage ist im internationalen Umfeld sehr komplex. Eine Nullrunde darf man aber trotzdem als bedenkenswert einstufen.
Global Village wurde bereits in der allerersten Runde 2015 überprüft und konnte alle Fragen zur Zufriedenheit der Auditoren beantworten.

200 Millionen U.S. Wähler bloßgestellt


Die regierende republikanische Partei der USA hat durch Nachlässigkeit alle fast 200 Millionen eingetragenen Wahlberechtigten frei abrufbar online gestellt. Enthalten waren nicht nur die Adressen, sondern auch Rasse, Religion und Positionen zu verschiedensten politisch relevanten Themen wie etwa dem Waffenbesitz. Insgesamt belegten die Daten 1,1 Terabyte. Der Sicherheitsforscher, der die Daten gefunden hatte, konnte weitere 24 Terabyte unzugänglicher Daten auf dem entsprechenden Server ausmachen.
Auch wenn diese Daten auf alle möglichen Weisen missbraucht werden können, darf man nicht vergessen, dass es in den Staaten sehr viel leichter ist, auch sehr persönliche Daten von entsprechenden Händlern zu erwerben. So ist es etwa kein Problem, die Adressen aller wohlhabenden muslimischen Frauen unter 30 Jahren in Washington einzukaufen. Der Preis pro Adresse wird allein vom Markt bestimmt. Für die obigen Daten ist etwa Depp Root Analytics verantwortlich, die bereits seit langem Auftragnehmer der Republikaner sind.
In solchen Momenten darf man sich darüber freuen, dass die Datenschutzstandards in Europa deutlich bürgerfreundlicher sind. Für das Internet ist das aber nur begrenzt hilfreich. Alle Internetkonzerne von Weltrang sind in den USA beheimatet. Ständige Streits mit europäischen Datenschutzbehörden und EU-Strafen belegen, dass sich die Firmen von hiesigen Vorstellungen nicht das Geschäft vermiesen lassen wollen.

Neues von den Domains

.asia
Wie angekündigt entfällt für .asia ab dem 15.7. die Verpflichtung einen CED-Kontakt anzugeben, der eine Adresse in einem asiatischen Land hat und auch seine Personalausweisnummer hinterlegen muss. Die Regis­trierung von .asia-Domains ist damit für jeden möglich.

.es
Die spanische Registry Red.es hat eine Aktion zur Verbesserung der Qualität der Whois-Daten angekündigt. In einem mehrstufigen Verfahren werden dabei alle Daten auf Auffälligkeiten überprüft und gegebenenfalls der Domainbesitzer und sein Registrar informiert. Sofern diese innerhalb von 30 Tagen die Daten nicht glaubhaft bestätigen oder korrigieren, behält sich die Registry vor, die Domain zu löschen

.cr
Die USA fahren im Kampf gegen Urheberrechts­verletzungen schweres Geschütz auf. Die Domain thepiratebay.cr verweise auf eine Plattform zur massen­haften illegalen Verbreitung von geschütztem Material. Das ist Grund genug für die U.S.-Regierung gleich die komplette Schließung der .cr-Länderendung zu fordern.
Diese Forderung hat praktisch keine Aussichten auf Erfolg. Die zuständige Verwaltung IANA, die der ICANN untersteht, ist seit 2016 nicht mehr vom Handels­ministerium abhängig. Zudem unterliegen die meisten ccTLD-Länderendungen noch nicht einmal den ICANN-Regularien, die durchaus Maßnahmen gegen Miss­brauch vorsehen. Eine komplette TLD abzuschalten gehört aber sicher nicht dazu, auch wenn kürzlich gerichtlich festgestellt wurde, dass Filesharing-Plattfor­men durchaus als Urheberrechtsverletzer gelten können. Es wäre aber auch zu bezweifeln, dass eine thepiratebay.us-Domain zu der Forderung führen würde, .us abzuschalten.
Das überbordende Verhalten lässt vermuten, dass eine wenig sachkundige Person die Drohung ausgespro­chen hat. Die allgemeine Verschärfung des Umgang­stons ist allerdings nicht zu überhören.

Mit freundlichem Gruß,
Ihr Global Village Team

 

 



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