...und die Welt wird zur Nachbarschaft.

Januar 2023

Twitter

Die schlechten Nachrichten bei Twitter reißen nicht ab. Elon Musk hat seinen Posten als Geschäftsführer öffent­lich zur Disposition gestellt und die Nutzer haben mehrheitlich gegen ihn gestimmt. Es wird spekuliert, dass Musk sich bereits zu einem Rücktritt entschlossen hatte und die Abstimmung lediglich als Rechtfertigung nutzt. Musk will aber weiter Besitzer bleiben. Daher scheint es nicht wahrscheinlich, dass ein neuer Chef eine grundsätzlich andere Politik fährt als die, die in den letzten Wochen zu sehen war.
Doch das ist nicht alles. Kurz nach der Abstimmung wurde bekannt, dass die Daten von 400 Millionen Nutzern abgegriffen wurden und zum Verkauf stehen – und zwar zuallererst an Twitter selbst, damit das Unternehmen ‚Schlimmeres verhindere‘. Musk gilt allerdings als alles andere als erpressbar, ließ er doch einen Studenten, der Musks Flugbewegungen live auf Twitter veröffentlichte, mit einer kurzen Unterbrechung weitermachen und zahlte ihm nicht die ‚Einstellungs­gebühr‘ von 50.000 Dollar nebst zweiwöchigem Prakti­kumsplatz bei Tesla.
Der Datensatz selbst soll vom Jahresanfang sein und gilt als authentisch. Kreditkarteninformationen sind nicht enthalten, aber durchaus andere persönliche Daten, die etwa regierungskritischen Nutzern in autoritären Ländern durchaus gefährlich werden könnten.
Der Diebstahl geschah offensichtlich vor dem Kauf durch Elon Musk und ist von der alten Geschäftsfüh­rung zu verantworten. Mit einer auf weniger als die Hälfte reduzierten Mannschaft ist aber fraglich, inwieweit eine Vorsorge gegen zukünftige Vorfälle überhaupt möglich ist. Wegen dieser dünnen Personal­decke steht Twitter zudem in vielen Ländern unter Beschuss, da Zweifel bestehen, dass der Dienst sich an nationale Gesetze, etwa gegen Verleumdung oder Hassrede, überhaupt noch halten kann. Ein Beispiel dafür ist die Nieder­lassung in Brüssel, die diesen Aufgabenbereich für Europa übernommen hat, aber in der keine Führungs­ebene mehr existieren soll und die den Kontakt zur amerikanischen Mutter verloren habe.
So oder so hat der Vorfall die Aufmerksamkeit der EU auf sich gezogen, die es bei diesem klaren Verstoß gegen die DSGvO kaum bei einer Ermahnung belassen dürfte. In einem vergleichbaren Fall wurde Meta / Face­book bereits zu einer Strafe von 250 Millionen Euro verdonnert. Und auch wenn der Twitter-Diebstahl noch unter den alten Besitzern passierte, ist davon auszugehen, dass die Zahlung zu Lasten des neuen Eigentümers geht.
Das alles trifft zusammen mit einem dramatischen Einbruch der Einnahmen. Die meisten der Top 100 Werbekunden lehnen Twitter aufgrund seiner aktuellen Geschäftsgebaren entweder glattweg ab oder haben ihr Werbebudget eingefroren und warten ab, ob sich die Lage noch entspannt. Auch mit den Einsparungen beim Personal wird Musk nicht mehr viel Zeit haben, bis er frisches Geld
benötigt. Die Kontakte dazu hat er zumindest. Bei der Fussball-WM wurde er auf der Tribüne mit katarischen Investoren gesichtet, die bereits den Kauf finanziell gestützt hatten.

ICANN


In einer überraschenden Mitteilung gab ICANN bekannt, dass der bisherige Geschäftsführer Göran Marby mit sofortiger Wirkung zurücktritt, aber weiterhin als Berater bis zu seinem regulären Vertragsende im Mai 2024 zur Verfügung steht. Ob seine Vergütung für die Restlaufzeit reduziert wird, ist nicht bekannt. Marby war der erste, der ein Jahresgehalt von mehr als einer Million US-Dollar erhalten hat.
Die Pressemitteilung lobt Marby in höchsten Tönen. Der Rücktritt mitten im Dezember deutet aber darauf hin, dass hinter den Kulissen alles andere als eitel Sonnenschein herrschte. Für viele galt Marby als ineffiziente Figur, die Führung missen ließ und gerne den Weg des geringsten Widerstands ging.
Zugegebenermaßen ist es bei einer Organisation, bei der Interessenvertreter aus der ganzen Welt und mit den verschiedensten Absichten mitreden dürfen, nicht einfach überhaupt irgendetwas zu erreichen. Heraus­ragendes Beispiel dafür ist die nächste Bewerbungs­runde für neue TLDs, die nach der großen Runde von 2012 'zügig' nach 'kleinen Verfeinerungen des Pro­zesses' stattfinden sollte, aber für die es bis heute noch kein konkretes Datum gibt.
So ist damit zu rechnen, dass ICANN auch beim Beratergehalt den Weg des geringsten Widerstands beibehält und einfach das zahlt, was eh schon vereinbart wurde. Getragen werden diese Kosten letztlich von Domainbesitzern, da die ICANN-Gebühr bei allen gTLDs mit eingepreist ist.

Neues von den Domains


.music

Obwohl die TLD noch nicht registriert werden kann, gibt es eine erste Webseite. belem.music ist ein Projekt der EU, das den Zugang zu Liedtexten und deren Über­setzung vereinfachen will. Der Vorgang ist ausge­sprochen unüblich. Die Registry argumentiert, dass sie als Teil des Projektes lediglich eine der ihr zustehenden 100 Domains für den Eigenbedarf nutzt. Kritiker halten es dennoch für wahrscheinlich, dass dieses Vorgehen nicht den ICANN Richtlinien entspricht.

Uniregistry

Nachdem Uniregistry sich selbst ausverkauft hat, bleibt nur noch ein kleiner Teil des ursprünglichen Geschäfts übrig. Den technischen Betrieb leisten mittlerweile Tucows und GoDaddy. Die Mehrzahl der TLDs wurde von anderen Anbietern übernommen. Uniregistry verwaltet aber immerhin noch 9 TLDs, am bekanntesten davon .click. Der ehemalige Uniregistry Top Manager Shayan Rostam hat nun Uniregistry erworben und wird den Vertrieb unter dem neuen Namen Internet Naming Company fortführen. Da Uniregistry durch seine Preispolitik für viele Irritationen gesorgt hat, ist der Neustart mit einem frischen Namen naheliegend.

Whois

Im ewigen Streit über den Zugriff bzw. die Zensur von Whois-Daten haben Registrare eine Lücke für sich entdeckt, die jetzt von ICANN offiziell bestätigt wurde. Das Abrufen von nicht-zensierten Daten muss nicht kostenfrei sein. Der Registrar Tucows gilt als Vorreiter einer Bewegung, die den Zugang zu vollständigen Daten mit Kosten belegt. Offiziell gehe es darum, die jeweils entstehenden Bearbeitungskosten weiterzugeben, so wie es in vielen Industrien Standard ist. Inoffiziell handelt es sich um eine wirksame Möglichkeit um das massenhafte Ausspähen von Daten zu verhindern.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Global Village Team

 

 

 

 

 

 



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